INTERVENTIONEN – Zeitschrift für Verantwortungspädagogik | Ausgabe 19
Mit Beiträgen von Benedikt Büchsenschütz, Simon Haux, Svetla Koynova, Lotta Rahlf, Annika von Berg, Niklas von Reischach und Till Wagner
Krieg, Krisen und eine zunehmend polarisierte Öffentlichkeit: Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen unserer Zeit spiegeln sich auch in der extremismuspräventiven Praxis wider. Bilder und Narrative kursieren global, digitale Plattformen prägen Wahrnehmung und Wirkung, während Beratende tagtäglich gefordert sind, komplexe Dynamiken in den Biografien und Köpfen der Menschen zu begleiten. Dabei wird immer deutlicher: Extremismusprävention braucht nicht nur fundierte Methoden und Konzepte, sondern auch die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion und die Schaffung belastbarer Strukturen innerhalb derer eine solche Reflexion konstruktiv erfolgen kann.
Gerade die vergangenen Monate haben gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen sind. Es reicht nicht, lediglich auf akute Radikalisierungsdynamiken zu reagieren: Vielmehr müssen wir die tieferliegenden Muster verstehen, die extremistische Lebenswelten und, daraus resultierend, auch die Präventionspraxis prägen. Das betrifft sowohl ästhetische Codes extremistischer Kommunikation, die für Außenstehende immer schwieriger nachvollziehbar werden, aber auch Geschlechterrollen in der Beratung oder die strukturellen Rahmenbedingungen für eine Kooperation zwischen unterschiedlichen professionellen Akteur*innen. Hinzu kommt der weiterhin drängende Anspruch, Wirkungen von Präventionsmaßnahmen für die Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen, um für gesellschaftliche Unterstützung in diesem wichtigen Handlungsfeld zu werben und zugleich die Praxis vor Überlastung zu schützen.
Diese Ausgabe der Interventionen nimmt zentrale Fragen der Weiterentwicklung in den Blick: Im ersten Beitrag beleuchten Annika von Berg und Benedikt Büchsenschütz die Männlichkeitskrise als Querschnittsproblem in der Extremismusprävention und heben die Notwendigkeit hervor, auch die eigenen Gendervorstellungen im Beratungsprozess zu reflektieren. Anschließend betrachtet Till Wagner die strukturellen Bedingungen, die für den Aufbau einer bundesweiten Verweisberatung zu Verschwörungsglauben notwendig sind. Simon Haux, Svetla Koynova und Lotta Rahlf diskutieren die Möglichkeiten der Wirkungsmessung in der sekundären und tertiären Prävention – ein Feld, das immer stärker nach systematisierten Ansätzen verlangt. Schließlich untersucht Niklas von Reischach die Ästhetik von Stockfootage, wie sie in Terroraufrufen Verwendung findet und entlarvt die Bildstrategien, die dort wirksam werden.
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