Verlorene Sicherheiten, extreme Antworten

Die Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen in der Polykrise

Von Maximilian Campos Ruf und Sandra Schwarz (Violence Prevention Network)

Abstract

Sicherheitsbehörden und Praxisträger in Deutschland und international beobachten verstärkt immer jüngere Kinder und Jugendliche, die als Teil extremistischer und gewaltbereiter Szenen auffällig werden und in Kriminalitätsstatistiken verzeichnet sind. Während Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene seit jeher zu den Hauptzielgruppen von gewalt- und extremismuspräventiven Angeboten zählen, stellen zunehmend gewalttätigere Kinder und jüngere Jugendliche im Alter von 10-14 Jahren eine ernstzunehmende gesellschaftliche Herausforderung dar. Anhand von Praxisexplorationen, Kriminalitätsstatistiken und psychologischer Forschungsliteratur untersucht dieses Policy Paper diesen Trend, identifiziert mögliche Ursachen und skizziert notwendige Gegenmaßnahmen.

Hintergrund und Problemlage

Jugendliche stehen seit langem im Fokus von Extremismus- und Gewaltprävention. Es ist gut dokumentiert, wie Identitätsbildungsprozesse, Sinnsuchen, Zugehörigkeitswünsche und viele weitere Dynamiken zum Beispiel im Laufe der Pubertät zu Konflikten mit Familienangehörigen, Lehrer*innen, Institutionen und Autoritätsfiguren jeder Art führen können. In einigen Fällen übertreffen diese Konflikte jedoch das gesellschaftlich akzeptierte und tolerierbare Maß.

Sie münden in extremen Weltanschauungen und Ideen sowie – in besonders gravierenden Fällen – in Radikalisierungsprozessen bis hin zur Planung oder Ausübung schwerer Gewalttaten. Die präventiv arbeitende Praxis ist darauf in der Regel gut eingestellt. Viele Fälle bewegen sich genau auf diesem Spektrum zwischen familiären Konflikten, Selbstwirksamkeitserfahrung und der Suche nach einem größeren Sinn in der Adoleszenzphase von circa 16-24 Jahren. In den vergangenen Monaten und Jahren begegnen Fachkräfte der sozialarbeiterischen und psychologischen Praxis, ebenso wie aus Sicherheitsbehörden, jedoch vermehrt einem beunruhigenden Trend: Die Fälle sehr junger Personen, die mit extremismuspräventiven Beratungsstellen in Kontakt kommen, und die von polizeilichen (Gewalt-)Kriminalitätsstatistiken sowie den Nachrichtendiensten erfasst werden, nimmt deutlich zu.

Das vollständige Policy Paper, das im Rahmen von dist[ex] – Entwicklung einer bundeszentralen Infrastruktur für Distanzierungs- und Ausstiegsarbeit entstanden ist, finden Sie hier.